Eine Geschichte vom Wind und Neugeburt

Der Tag des Tornados: 8. Juli 2015

Am Tag wo alles sich gewandelt hat.
Am späten Nachmittag verwüstete ein Tornado Typ EF4 mit Windkraft 300km/St. dieses Gebiet mit anschließender Zerstörung und Tod, glücklicherweise in geringerem Maß, wenn mit den Erwartungen verglichen.
Auf seiner Front vom Nord-Westen bis Süd-Osten setzte der Tornado Dutzende von Familien und Firmen auf Knien ohne ein Dach, vor der endgültigen Auflösung.
Das war der verheerendste Tornado in der Geschichte Italiens, ein sehr seltenes Ereignis, unerwartet und selbstverständlich schockierend und erschütternd.
Im Video ist unser Hotel gleich nach dem Tornado zu sehen.

Unser Hotel…

Die Zerstörungskraft des Windes, der vom Dach nach unten das Gebäude in Trümmer gelegen hat: zerbröckelt hat er bis zum letztendlichen Ausschlag.
Keine Verletzten unter den anwesenden Gästen (glücklicherweise war die Mehrheit in Venedig oder weit vom Hotel) aber das Bild vor unseren Augen war schrecklich: nur Verwüstung und Trümmer.
Unser Hotel, wie das anliegende Gebiet, wurde Opfer einer Gewalt, gespensterhaft, ein Krisengebiet nach einem Bombenanschlag.

Nach der Sicherstellung des Gebäudes machten wir uns mit Hilfe von Freunden, Bekannten und total Unbekannten Leuten, die sich freiwillig gemeldet haben, an die Arbeit.
Tagelang im heißen Monat Juli haben wir Ruinen weggeräumt. Wir waren aber kein Einzelfall: hunderte Freiwilligen haben im geschlagenen Gebiet Hilfe geleistet. Es gibt immer eine positive Seite der Medaille in den menschlichen Vorfällen, auch in den traurigsten, und das war sie:
das Ankommen der Libellen, die Neugeburt.


Das Hotel, wie wir, erlebte eine „innere“ Verwandlung

Ein Paar Tage nach dem Tornado trafen zwei Libellen ein, sie flogen hin und her, auf eine geopferte Pflanze oder auf ein Fensterbrett.

Fast eine Woche lang leisteten sie uns Gesellschaft.
Ihr längerer “Aufenthalt” wunderte mich so sehr, dass ich mich tiefer über dieses wundervolle Insekt erkundigen wollte. Die Libelle, so nach meiner Recherche, ist weltweit ein Symbol des Wechsels.
Dieser “Zusammenfall” mit unseren Ereignissen tat mich sehr viel an und ging mit meiner Recherche weiter. Meine Studie über das Thema Libellen hat mir viele Facetten über die damit verbundenen Symbole verraten. Die Libelle schillert in Regenbogenfarben auf den Flügeln und auf dem Körper, so daß sie verschiedene Farben je nach Blickpunkt und Lichtpolarisation aufzeigt: diese Eigenschaft dient als Ansporn, Illusionen wegzuräumen und ein klares Bild des Lebens abzugeben, als Enthüllung und Annahme der eigenen Person, indem die Kraft der eigenen Persönlichkeit zum Ausdruck kommt.
Der Sinn des Wandels in dieser Perspektive wurde mir klar: es ging genau um den Wandel, der sich dem geistigen und innerlichen Wandel anschließt und das Einsehen der tiefsten Bedeutung des Lebens ermöglicht.

Das Hotel ist “innerlich” neu

Wenn es tatsächlich um Wandel geht, muss er sich erst “innerlich” anpassen und nur danach “äußerlich“
Dieses Konzept haben wir wortwörtlich übernommen: im langen Winter haben wir nachgedacht, geplant und endlich das Hotel im Sinne des Restylings neu aufgebaut: das Hotel, das ihr jetzt bewundern dürft.
Eine klassische venezianische Villa war es bis letzten Sommer, ein historisches Gebäude der Tradition treu; heute hingegen das Bild vieler unterschiedlichen Welten, den Identitätsstimmungen entsprechend, die ich innerlich spüre. Keiner von uns darf unter einer einzigen Etikette benannt werden, die uns darstellt, nicht zuletzt weil das Leben immer Neuheiten anbietet, die uns auch persönlich betreffen, mögen wir es oder auch nicht.
Somit, der Rezeption vorbeigelaufen, stehen die Zimmer da, ich wünsche mir vom tiefen Herzen, daß ihr eurer klassischen oder leidenschaftlichen oder exotischen, modernen, “stilreichen” Dimension nachspüren könnt. Oder- warum nicht? – der spirituellen Dimension, durch eine kreative generelle Vision, die Gegensätze annähert, die Dualität darstellt und integrierende Elemente aufzeigt.
Schlussendlich: das Hotel, mit seinem Restyling, stellt das Symbol meiner persönlichen Entwicklung dar, oder, besser gesagt, den Wunsch, mich genau abzubilden: ein konkreter, klarer Ausdruck eines neuen Selbstbewusstseins, das ich ohne den Tornado und vor allem ohne Libellen nie erfahren hätte.

Michela Pegorer

Michela Pegorer